von Jörg Streese

Trockengefallen

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Published on Juni 3rd, 2010 @ 11:36:08 , using 109 words,
Trockengefallen

Heute morgen um 07:00  Uhr bin ich an eine Kaimauer gefahren, die an der Seite eine Schräge hat und habe mich dort gewollt trocken fallen lassen, denn ich wollte untersuchen, was der Grund dafür ist, dass mein Ruder nach der Grundberührung im Aussenhafen von Helgoland so schwergängig ist.

Nach 6 Stunden konnte ich am Ruder hinten arbeiten und musste feststellen, das ich diese Reparatur nicht mit Bordmittel hinbekomme. Der Steg vor dem Ruder hat einen kleinen Schlag bekommen und ist nicht mehr richtig in der Flucht. Bewege ich das Ruder, bewegt er sich ein klein bischen mit und dadurch entsteht die Schwergängigkeit.  Nichts wirklich bedrohliches.

18:00 Uhr schwimmt MISS SOPHIE wieder.

Helgoland - Warten auf einen milde gestimmten Wettergott

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Published on Mai 30th, 2010 @ 11:25:06 , using 52 words,
Helgoland - Warten auf einen milde gestimmten Wettergott
Helgoland - Warten auf einen milde gestimmten Wettergott

Starkwindwarnung für die Deutsche Bucht aus W.

Inselrundgang.

Diese Insel ist schon was besonderes: wo immer man sich auf der Insel befindet, man spührt das Meer, man hört das Meer, man sieht das Meer und man riecht das Meer - und alles was man hier anfassen kann, hat mit dem Meer zu tun.

Tönning - Uralt und mal ein wichtiger Handelsort

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Published on Juni 2nd, 2010 @ 10:32:39 , using 278 words,
Tönning - Uralt und mal ein wichtiger Handelsort
Tönning - Uralt und mal ein wichtiger Handelsort
Tönning - Uralt und mal ein wichtiger Handelsort

Tönning.

Wohl schon zu Winkingerzeiten hatte es Bedeutung. Die Wikinger, die ihre Waren und Handelsgüter aus dem Norden nach ihrer befestigten Stadt Haithabu in der Schlei bei Schleswig brachten, luden diese dort aus und zogen ihre Schiffe auf Baumstämmen und mit Pferden 18 km weit über Land in die Treene, die in die Eider mündet (heute liegt dort Friedrichstadt) und der letzte besiedelte Ort vor der Wattfahrt zur norddeutschen Küste, Holland, England und Frankreich war wohl damals schon das, was später dann Tönning genannt wurde. Treene und Eider waren also der Nord-Ostseekanal des frühen Mittelalters.

Und die Eider war mal ein wichtiger Handelsfluss und vor Tönning lagen durchaus auch schon mal 20, 30 Segler auf Reede, bis der jetzige alte Hafen 1613 zu graben und zu befestigen begonnen wurde.

Jetzt kamen die Schiffe aus Schweden, Jütland, Holland und England durch die sehr schwierige Ausseneider und Tönning wurde eine (bescheiden) wohlhabende Handelsmetropole, was man an den an das alte Lübeck erinnernde Bürgerhäuser entlang des alten Hafens sehen kann (Bilder kommen noch - die Datengeschwindigkeit hier in Tönning erlaubt dass Hochladen der Bilder z.Z. nicht).

Die Bedeutung der Eider kann man auch daran sehen, dass die Eideransteuerung mit ihrer gefährlich flachen Barre von 2,5 Meter Tiefe, die ein Einlaufen bei westlichen Winden um gute 4 Windstärken schon zu einer sehr üblen Angelegenheit werden lässt, mit dem ersten deutschen Feuerschiff gekennzeichnet wurde: Eine Galiole, die in ihrem Mast eine pendelnde Öllampe hatte.

Als die Engländer die Elbe-Weser-Blockade gegen Napoleon betrieben, liefen Tönning im Jahre 1804 700 Segelschiffe aus allen denkbaren Ländern an, denn jetzt lief der gesamt Warenverkehr von und zu Hamburg und Norddeutschland über dieses kleine Städtchen.

Ach - es gäbe noch so viel zu erzählen - is einfach schön hier.


Na - geht doch: Helgoland - Eidermündung - Tönning

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Published on Juni 1st, 2010 @ 14:28:01 , using 527 words,
Na - geht doch: Helgoland - Eidermündung - Tönning
Na - geht doch: Helgoland - Eidermündung - Tönning
Na - geht doch: Helgoland - Eidermündung - Tönning
Na - geht doch: Helgoland - Eidermündung - Tönning

Gestern abend kam dann endlich ein Seewetterbericht, der aufhorchen liess: N 3 - 4, klare Sicht und das Aufstehen wurde auch ein moderates 04:30.

Also los.

Das es dann zum Schluss doch noch ein Abenteuer werden sollte, konnte ich ja nicht wissen.

Unter Fock und Grosssegel lief MISS SOPHIE 4,5 bis 5 Koten, was ich für einen erstaunlich guten Wert halte, KK 75 Grad, sanft hoben und senkten die Nordseewogen das Schiff und alles sah gut aus. Bild 1

Um 8 Uhr reduzierte sich dann die Geschwindigkeit auf 3,5 Knoten, was zu wenig war, um um 11:00 Uhr an der Ansteuerungstonne Eider zu sein - und das musste ich, weil ich das auflaufende Wasser durch die Priele der Eider brauchte, die sonst zu flach sind und ich gegen die dort kräftige Strömung nicht ankommen würde.

Also musste James ran und diesmal tat er einfach, was man von ihm  verlangte.

11:00 dann pünktlich an der Tonne (Bild 2).

Der Priel verändert sich von Monat zu Monat und wäre ich nach Karte gefahren, würde ich jetzt auf trockenem Watt sitzen (Bild 3).

um 15:00 zur Hochwasserzeit dann am Eidersperrwerk ( Bild 4), das grösste Bauwerk an der deutsche Küste, ein 5 km langer Damm quer über die Eiderbucht, 5 je 40 Meter breite Sieltore, die die Gezeiten in die Eider lassen und eine Schleuse, in der mich ein freundlicher Fischer längsseits nahm (Bild 5).

Nach dem Revierführer hätte es hinter der Schleuse einen Schlängel geben sollen, an dem ich gedachte längs zu gehen, um auf das morgige neue auflaufende Wasser zu warten und mich mit den nötigen Revierkenntnissen auszustatten - aber diesen Schlängel gab es nicht und als ich an der Fischkutterkaje festmachte, bekam ich über UKW-Seefunk sofort die Anfrage der Schleusenzentrale, was ich da mache und als ich es erklärt hatte, sagte man mir, dass ich da nicht bleiben könne und nach Tönning muss.

Davon hatte ich keine Karte, brauchte aber das noch etwas mitlaufende Wasser und musste schnell los.

Verdammt flach hier sagte ich mir mit kritischem Blick auf das Echolot. Und wir wurde etwas mulmig. Nach einer Stunde fing das Wasser an, wieder auszulaufen - würde ich jetzt hier irgendwo festkommen, hätte ich keine Chance, wieder freizukommen, das mulmige Gefühl wurde stärker und vor allem wusste ich nicht, wo ich einen Platz zum Anlegen finden sollte.

Angstvoll beäugte ich das Wasser auf Wasserkabbelungen (hier flach!), ich sah mich schon mit einem Bein im Gefängnis, weil wenn ich hier aufsitze und zur falschen Seite, zur tiefen Prielseite umfalle, gerät möglicherweise Diesel über die Überlaufleitung ins Wasser, das Schiff könnte beim auflaufenden Wasser möglicherweise voll Wasser laufen und sinken, wegen gröblicher Umweltverschmutzung würde ich in den Knast kommen und während noch mein Kopf von diesen Dingen voll war, tat sich plötzlich links eine uralte Hafeneinfahrt aus Backstein auf (Bild), das Wasser bekam eine kontinuierliche Tiefe von 4-5 Metern und plötzlich tat sich das Paradies auf: der uralte Hafen von Tönning, mitten in der Stadt, 1613 in dieser jetzigen Form gebaut, tat sich auf und zwei Minuten später war ich an einem Schwimmsteg des Tönninger Yachtvereins fest.

Himmlisch. (siehe Bilder)

Noch schnell was zu Essen machen und eine Flasche Wein und den Tag langsam um 17:30 in den verdienten  Feierabend ausklingen lassen - ach ja, und noch schnell das Logbuch schreiben.

 

 

 

 

 

 

Helgoland - der Wettergott will es nicht

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Published on Mai 31st, 2010 @ 15:00:24 , using 82 words,
Helgoland - der Wettergott will es nicht

Als ich um 03:00 Uhr aufstand, um zu prüfen, ob ein Auslaufen angesagt ist, wehte es heftig, es regnete Bindfäden, es war eine rabenschwarze Nacht und ich war der Meinung, dass das ein Wetter ist, in das niemand freiwillig reingehen sollte.

Der Morgen sollte mir Recht geben: Seenebel, der bis 16:00 Uhr blieb und am Nachmittag noch heftigen Regen brachte. So hätte ich nie die Eider mit ihren weit auseinanderliegenden Tonnen gefunden.

Spaziergang über die Insel

Seewetterbericht: W 5, später NE 6, Schauerböen, Gewitter, See 2,5 Meter

Helgoland

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Published on Mai 29th, 2010 @ 19:04:50 , using 141 words,
Helgoland
Helgoland
Helgoland

Am Donnerstag ist Björn gekommen und da Hans am Freitag mit dem Westwind seine Reise nach Norwegen starten will, gibt es bei mir noch ein Abschiedsessen. (Bild 1)

Am nächsten Tag Hans mit seiner Liberty auf dem Wege nach Norwegen. (Bild 2)

Ein paar tage spaeter hoffen wir, das alles gut gegangen ist, denn am Nachmittag kamen dann die 5 - 6 Windstärken und oben auf der Insel war derart viel Wind (Böen zwischen 7-8), dass wir stehen bleiben und uns gegen den Winddruck anstemmen mussten.

Wir hatten auch überlegt, zur Eider loszugehen, wir hätten dafür aber nachts um 04:30 ablegen müssen und da war nicht ein Hauch von Wind. Also zurück in die Koje.

Aber am Vormittag haben wir ein paar Schläge in die Nordsee gemacht - aber wegen der Hecktik und dem Aufkreuzen keine Bilder gemacht. Am Samstag nachmittag ist Björn wieder zurück nach Bremen.

 


 


Helgoland: Hans Werding: Maschinenbaumeister, Erfinder, Visionär, Forscher

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Published on Mai 26th, 2010 @ 15:32:06 , using 469 words,
Helgoland: Hans Werding: Maschinenbaumeister, Erfinder, Visionär, Forscher
Helgoland: Hans Werding: Maschinenbaumeister, Erfinder, Visionär, Forscher
Helgoland: Hans Werding: Maschinenbaumeister, Erfinder, Visionär, Forscher
Helgoland: Hans Werding: Maschinenbaumeister, Erfinder, Visionär, Forscher

Hans Werding (hier bei mir an Bord der MISS SOPHIE - ich habe gekocht und es gibt Dorschfilet) hat Zeit seines Lebens sich über vieles seine eigenen Gedanken gemacht. Und seit seiner Kindheit hat er sich brennend für die ägyptische Kultur und Geschichte interessiert.

Und irgendwann fing er an, sich zu fragen, warum in der Bibel so ausserordentlich konkrete Beschreibungen vom Fliegen vorkommen (göttliche Verkündigungen etc)und ob man diese Schilderungen nicht wörtlich zu nehmen habe.

Konnten die Menschen damals fliegen?

Als er einen Ausgrabungsbericht fand, in dem davon berichtet wurde, dass in einer ägyptischen Stadt derart viele mit ehemals Alkohol gefüllte Flaschen gefunden wurden, dass die Bevölkerung dieser Stadt auf Jahre hinaus im Vollrausch damit hätte verbringen können, war für ihn plötzlich klar, dies war der Treibstoff, mit denen die damalige Fliegetechnik arbeitete.

Aber wie?

Er überlegte:

Wenn die damalige Elite fliegen konnte, dann hatte sie diese Technik dazu benutzt, ihre Herrschaft zu sichern.

Also musste in den Insignien ihrer Macht ein Hinweis auf diese Technik enthalten sein: Krummstab, Krone, Symbole.

Er verpachtete seinen gut laufenden Betrieb, kaufte sich ein größeres Segelboot (siehe Bild gestern), nahm alles an Büchern mit, was er über die ägyptische Kultur finden konnte, segelte alleine nach Südamerika und fand auf diesem Törn, den er dann entlang der Küste noch 3 Jahre lang weiter führte, die Zeit und die Muße, in den Hieroglyphen und Machtinsignien die Hinweise auf die praktizierte Fliegetechnik zu finden, widmete sich ab jetzt 10 Jahre lang nur noch diesem Studium und fing an, nach den Angaben in den Hieroglyphen diese Fliegemaschinen zu bauen.

Und brachte sie zum Fliegen.

Es ist unglaublich - aber sie funktionieren.

Dazu aber musste er tausende Berechnungen, Versuche und Modelle bauen, um die Jahrtausende alte "Physik des Bogens" wieder zu entdecken, die die Pharaonen damals schon kannten und mit der sie diese Technik beherrschen konnten und diese "überirdische" Fortbewegungsform natürlich zur Sicherung ihrer Herrschaft einsetzen: siehe die Berichte in der Bibel.

Die Physik des Bogens

In dem Krummstab ist der HInweis auf diese Technik.

Das Prinzip einer Rakete ist bekannt: In einem Rohr mit einer Öffnung unten wird ein Gasgemisch zur Explosion gebracht und der Schub nach unten treibt die Rakete nach oben.

Wenn man diesem Rohr eine bestimmte Krümmung gibt, entsteht sozusagen eine eigene Physik in diesem gekrümmten Rohr mit dem Ergebnis, dass durch ein seitliches kleines Zugangsröhrchen innerhalb des gekrümmten Rohres Duck und Unterdruckzonen entstehen, die es ermöglichen, dass ein beständiger Unterdruck an dem Einfüllröhrchen dafür sorgt, die Brennflüssigkeit oder das Gasgemisch selbstständig durch den Unterdruck nachgesogen wird - diese Technik also ohne Pumpen funktioniert - was die Voraussetzung dafür ist, dass sie in der damaligen Zeit entwickelt werden konnte.

Diese Modelle stehen bei ihm zu Hause.

Sie können dort vorgeführt werden.

Seine Bücher darüber kann man kaufen (siehe Bild).

Im Herbst fangen wir mit den Dreharbeiten an.

www.egyptologie.de


 

 

welch ein Zufall

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Published on Mai 23rd, 2010 @ 20:43:42 , using 67 words,
welch ein Zufall
welch ein Zufall

Neben mir liegt die "Liberty".

Und der Skipper ist ebenfalls Einhandsegler wie ich.

Merkwürdig.

Der einzige Einhandsegler ausser mir hier im Hafen kommt neben mir zum liegen. Würde er ein Schiff weiter liegen, wir hätten uns nie kennen gelernt.


Und nach kurzem Schnack miteinander muss ich sagen:

ein Glücksfall, von dem ich morgen berichten werde.

Er ist auf dem Weg nach Norwegen außenrum.

Maschienenbaumeister, Erfinder, Visionär, Forscher

Helgoland - Nordseewoche

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Published on Mai 22nd, 2010 @ 14:37:02 , using 53 words,
Helgoland - Nordseewoche
Helgoland - Nordseewoche
Helgoland - Nordseewoche

Helgoland - Nordseewoche -Regattazeit

Ist schon ne schöne Stimmung hier auf der Insel.

Der Monteur der am Nachmittag kam, meinte nach intensiver Prüfung, dass wohl durch den Seegang Luft in den Dieselfilter gekommen sein muss.

Ich habe den Filter jetzt so angebracht, dass ich ihn von der Kajüte bei laufendem Motor entlüften kann.


 


Helgoland: ein unfreiwilliger 18-Stunden-Törn

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Published on Mai 21st, 2010 @ 14:38:14 , using 1178 words,

06:00 Uhr morgens komme ich langsam aus den Träumen hoch, weil irgend was tutet.

Je mehr ich wach werde, desto mehr wird ein Gedanke im Kopf klar: Nebelhörner.

Raus.

Wahrhaftig. Bild 1

Enttäuscht über diese Provokation des Wettergottes mix ich mir einen Grog, denn es ist kalt, und verzieh mich damit und einem Buch wieder in die Koje.

Eigentlich hätte ich diesen Hinweis des Wettergottes richtig deuten sollen:  auf diese Art und Weise nicht nach Helgoland zu gehen - aber eine dreiviertelstunde später habe ich ihn verworfen, weil die Sonne anfing zu scheinen.

Währe ich ihm doch nachgekommen, mir wäre eine 18-stündige Horrortour erspart geblieben.

Jetzt musste alles im Eiltempo geschehen, denn ich musste noch bei Stillwasser vom Steg, denn ich saß meinem Vorschiff sehr nahe auf dem Heck und wäre bei ablaufendem Wasser dort nicht weggekommen. Also kein Frühstück, lediglich das Wasser für eine Kanne Tee konnte noch heiß gemacht werden, während die aufwendige Ankleideprozedur vonstatten ging (diverse Funktionsunterwäsche und darüber dann noch der neoprengefütterte Segeloverall), dann musste ich die Leinen loswerfen.

Also gegen an motoren. Bild 2

Dazu muss  man wissen, dass ich motoren hasse und besonders dann, wenn es gegen Wind und Wellen geht, nur um dahin zu kommen wohin ich will und es segelnd nicht geht.

Ich hatte mir überlegt, das es vernüftig ist, durch den Wurster Arm auf den Leuchtturm Alte Weser zu gehen, weil ich meinte, dort besser gegen die seit Tagen aufgebauten NW-Wellen geschützt zu sein.

Dem war nicht so. Hier herrschte eine kurze, ruppige See, die mein Schiff regelrechte Boxsprünge vollziehen lies. Grimmig sah ich diesem Schauspiel zu und schwor mir, nie wieder den Wettergott zu missachten und wenn ich mir in Bremerhaven ein Zimmer nehmen muss.

Alles was nicht Niet und Nagelfest auf MISS SOPHIE verstaut war, fand unweigerlich seinen Weg nach unten auf die Bodenbretter, wo sich nach kurzer Zeit ein Sammelsurium aus Seekarten, Flaschen, Brot, Bücher und dergleichen ansammelte - ein Anblick, der das eh schon angegriffene Selbstbewusstsein des Skippers weiter nach unten zog. Und ich finde, dass ich auf MISS SOPHIE besonders auf die seefeste Verzurrung aller Gegenstände achte - aber es gibt da anscheinend noch Nachbesserungsbedarf.

Auch im Cockpit sah es bald ähnlich aus: ein extra Behältnis für mein für solche Törns vorhandenes Studentenfutter knallte bei einem dieser Sprünge auf die Bodenbretter und sofort sprang der Deckel auf und Erdnüsse, Haselnüsse, Rosinen, Sonnenblumenkerne und was da sonst noch so alles drin ist, kullerte nun lustig hin und her und erinnerte mich beständig daran, in Zukunft solche Behältnisse mir auch auf Schwerwettertauglichkeit anzuschauen. Meine Wasserflasche war zum Glück aus Allu - manch eine Beule wird mich aber an diesen Törn erinnern.

Bald hatte ich vom kramfhaften Festhalten an den Relingszügen Blasen an beiden Fingern, die durch das Festhalten der Pinne weiteren Belastungen ausgesetzt wurden und dann um Mitternacht aufplatzen und nur noch schmerzten (Bild 4) Aber da sind wir ja noch nicht.

Punkt 13:00 Uhr beim Umschlagen der Tide war ich am Leuchtturm Alte Weser und konnte nun in den Tonnenstrich der  Alten Weser einlaufen, als mir der Motor ausging.

Also Segel hoch und die demütigende Erfahrung begann, dass ich mit meinem 5-Tonnen-Schiff nicht gegen den Wind, Strömung und Wellen aufkreuzen kann - zumal hier ebenfalls eine kurze ruppige See zwischen 1 und  2 Meter stand.

5 Stunden habe ich kreuzend zwischen dem Tonnenpaar A10 und A8 verbracht - das, was ich auf dem einen Schlag gut machte, verlor ich auf dem anderen wieder. Dort einfach Nord zu laufen, traute ich mich nicht, denn die dort vorhandenen Nordseegründe sind teilweise nur 4 Meter tief und ich dachte, dass sich dort die Seen besonders steil gebärden würden - was  andere Segler dann in Helgoland aber verneinten.

Zu dieser Situation muss man sagen, dass mein Schiff ein Fahrtenschiff ist und nicht auf Höchstleistung im Segeln konstruiert ist: das heißt, ein Schiff was mit dieser Situation gut zurecht kommen will, muss vorne sehr schmal und spitz gebaut sein, um die Wellen zu durchschneiden.

Mein Schiff ist in diesem Bereich sehr füllig, weil es seine Lebensqualität unter Deck daraus bezieht, hier schon Lebensraum zu schaffen - das heißt aber auch, dass es die Seen nicht mehr durchscneidet, sondern von ihnen gestoppt wird - ich brauche also viel mehr Kraft aus den Segeln, um durch diese Seen nicht gestoppt zu weren, d.h. ich kann nicht so hoch an den Wind gehen, wie ich es brauchte um hier in meine Richtung weiter zu kommen. Ich muss ja gegen jede Welle die 5 Tonnen meines Schiffes schieben - und das nur mit Hilfe des Windes.

Ich rechnete: die Tiede schlägt num 19:00 um, dann würde ich diese Strecke in relativ kurzer Zeit hinter mich gebracht haben, also sagen wir mal um 20:30 kann ich auf Nordkurs Helgoland gehen, dann warten da noch 20 sm auf mich, bei der Welle und meiner Geschwindigkeit von ca. 3 kn noch 6 - 7 Stunden bis Helgoland, also Ankunft so zwischen 2 und 3 Uhr nachts.

Bis jetzt noch keinen Bissen gegessen, die dafür vorgesehenen Körner, Nüsse und Rosinen tummelten sich immer noch auf dem Plichtboden, noch keine Minute die Pinne aus der Hand gegeben, noch keine Pause gehabt und dann noch der Schreck mit dem versagenden neuen Motor.

Das Aufkreuzen wurde dann nochmal anstrengend, weil die Seen natürlich blieben und zwei oder drei mich auch seitlich erwischten und mich mit einem Schwall grünem Wasser eindeckten.

20:30 bei der A6 am Ausgang der Alten Weser dann Nord. Hoch am Wind, zur besseren Ausbalancierung der Segel ein Reff ins Groß und ich konnte die Pinne belegen und MISS SOPHIE segelte mich auf wunderbarste durch die jetzt etwas weicheren langen Nordseewellen.

Das hat mich für alles entschädigt.

Diese Erfahrung, dass mein Schiff die Intelligenz besitzt, besser als ich es an der Pinne könnte, mich durch das Meer zu steuern - das ist das größte und schönste, was ich mir vorstellen kann.

Aber auch jetzt gibt es keine wirkliche Entspannung, denn MISS SOPHIE legt sich so auf die Seite, das teilweise die Kajütfenster ins Wasser geraten - ein Bewegen an Deck und erst recht unter Deck wird zur Schwerstarbeit.

Jetzt wurde es langsam dunkel. Ich begann die Hauptschiffahrtswege zu kreuzen, hier musste also besonders gut Ausguck gegangen werden. 1 - 2 Containerschiffe konnte ich ausmachen, aber keine Gefahr, dann kam von hinten so ein schwimmendes Casino hellerleuchtet auf, sonst nichts - kein einziger Segler unterwegs.

Schon ein merkwürdiges Gefühl, in diesem Moment völlig alleine in dieser doch etwas fremden Welt unterwegs zu sein, die langsam in eine schwarze Nacht übergeht - nur ab und zu gurgelt grünes Wasser in meine Plicht und zeigt mir, das die Nordsee immer noch Nordsee ist.

Der Wind wurde etwas weniger und meine Geschwindigkeit reduzierte sich auf 2-3 kn, Tonne Helgoland-Ost hatte ich um 2:30 querab und um 3:00 Uhr versuchte ich den Motor anzuwerfen , was auch gelang, aber nach 5 Minuten war er wieder aus - das hieß unter segeln in einen rattenschwarzen dunklen Hafen, dort irgendwie einen Ankerplatz finden, Anker raus, Segel runter und dann sehen wir mal weiter.

Um 3:30 war ich unter Anker, der anfing zu slippen, aber ich konnte hier jetzt meinen ersten Bissen zu mir nehmen und einen Tee trinken: nach 18 Stunden , davon 12 ohne Unterbrechung an der Pinne.

Aber Angekommen Bild 3 Nebel: Die Wetteränderung

 

 

 

 

 

 

 

 

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